Klarstellung: Männer und der Frauen*streik

Das Kollektiv für den Frauen*streik Waadt und das Kollektiv Solidarische Männer Waadt haben für den 1. Mai 2019 eine Klarstellung zur Rolle von Männern im Frauen*streik verfasst. Die Frauen*streik-Unterstützungsgruppe Bern hat den Text übersetzt.

Klarstellung

1. Mai: Am 14. Juni werden wir gemeinsam streiken!

«Unser Streik richtet sich nicht gegen die Männer, sondern gegen ein patriarchalisches System, das ausgedient hat. Alle solidarischen Männer sind dazu eingeladen, am 14. Juni die streikenden Frauen* zu unterstützen.» (Aufruf zum Frauen*streik vom 22.09.2018)

In den letzten Tagen haben wir alles Mögliche und Unmögliche über die Rolle von Männern beim Frauen*streik vom 14. Juni lesen müssen. Insbesondere hat das Gerücht die Runde gemacht, Männer würden vom 14. Juni ausgeschlossen. Da dies keineswegs im Sinne des Frauen*streiks ist, drängt sich eine Klarstellung auf.

  • Frauen, die es satthaben, dass die Gleichstellung stagniert, dass ihre Diskriminierung fortbesteht und dass sexistische Gewalt in unserer Gesellschaft nach wie vor an der Tagesordnung ist, haben beschlossen, zu einem Frauen*streik aufzurufen. Diese Initiative wurde von Frauen* ins Leben gerufen. Genauso hätten Männer entscheiden können, die genannten Ungleichheiten zum Schwerpunkt eines gesellschaftlichen und politischen Kampfes zu machen. Sie haben es bis heute aber nicht getan.
  • Es gibt jedoch durchaus solidarische Männer. Wir kennen welche. Sie waren von Anfang an präsent, seit wir ab dem 2. Juni 2018 zu ersten Vorbereitungstreffen für den Frauen*streik zusammengekommen waren. Sie haben sich an diesen Anlässen um unsere Verpflegung gekümmert und haben Zeit dafür aufgewendet, damit wir uns ganz auf die für den Streik notwendigen Diskussionen konzentrieren konnten. Heute organisieren sich diese und weitere Männer auch für den Frauen*streik: In Kantonen wie der Waadt, Neuenburg, Freiburg, Wallis, Bern und Genf bilden sie solidarische Männergruppen. Ebenso an Arbeitsorten wie dem BFS oder der ETH Lausanne, um nur zwei zu nennen.
  • Diese solidarischen Männer haben von Beginn weg verstanden, dass es für die Frauen* unabdingbar ist, sich untereinander zu organisieren. Und vor allem haben sie verstanden, dass sich ein Frauen*streik nicht gegen die Männer richtet, sondern gegen ein patriarchales System, das auch für Männer ein Gefängnis darstellt. Diese Männer finden sich nun plötzlich inmitten einer Debatte wieder, die sie so nicht führen wollen. Denn weder ist es ihre Absicht, am 14. Juni das Wort zu ergreifen, noch wollen sie sich an die Spitze der Demonstrationen stellen. Sie wollen uns an diesem wichtigen Tag einfach solidarisch zur Seite stehen. Diese Männer fühlen sich auch weder an den Rand gedrängt noch erniedrigt, weil wir sie darum bitten, sich an diesem Tag um Hausarbeit und Kinderbetreuung zu kümmern, damit wir demonstrieren können. Und alle Männer, die Lust haben, sind herzlich dazu eingeladen, an unseren Aktionen und Veranstaltungen teilzunehmen. Und natürlich dürfen sie auch ihre Kinder mitnehmen.
  • Wir wollen aber auch nicht naiv sein. Nicht alle Männer stehen unserem Kampf für Gleichheit solidarisch gegenüber. Denn jenseits der «political correctness» sind Ungleichheit und Diskriminierung weiterhin eine traurige Realität. Und weiterhin werden jedes Jahr Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner zu Tode geprügelt. Diese inakzeptablen Tatsachen anzuprangern, mag einigen Männern unangenehm sein. Was soll’s! Wir werden nicht mehr länger schweigen!
  • Deshalb haben die Kollektive entschieden, dass die Frauen* am 14 Juni nicht nur zu Hause, an ihrem Arbeits- oder Ausbildungsplatz streiken, sondern auch den öffentlichen Raum besetzen. An diesem Tag werden die Frauen* überall in der Gesellschaft sich und ihre Forderungen in den Vordergrund stellen. Auf dass dieser Tag alle nachfolgenden Tage verändere!

Kontakt:
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Michela Bovolenta 079 647 72 83 – Marine Ehemann 077 429 20 81 – Tamara Knesevic 078 740 72 45 – David Gygax 076 565 25 10

*jede Person, die kein cisgender Mann ist (d.h. ein Mann, der sich selbst im Geschlecht erkennt, dem er bei seiner Geburt zugeordnet wurde)

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