Medienkonferenz: Noch 1 Monat bis zum Frauen*streik – die Berner Frauen* sind bereit!

An der heutigen Medienkonferenz der Gewerkschaften Unia und VPOD stellten Vertreterinnen beider Gewerkschaften und des Berner Streikkollektivs ihre Aktivitäten in Bern vor und Frauen haben über ihre persönlichen Gründe zu streiken berichtet.

Die Frauen in der Schweiz sind wütend – aber engagiert und motiviert. Im Vorfeld des Frauenstreik- und -aktionstages vom 14. Juni zeigt sich gerade auch auf den Strassen und in den Betrieben in Bern: Die Frauen in der Schweiz sind viele und sie sind bereit zu kämpfen. Itziar Marañon machte im Namen der Berner Streikkollektivs klar, weshalb es einen Frauenstreik braucht: «Die Gewalt, wie beispielsweise die sexuelle Belästigung oder die Ungleichheit. Und die stetige Unsichtbarkeit: unserer Arbeit, unserer Anliegen. Alle diese Sachen erleben und spüren wir täglich.»

«Unsichere Zukunft, anmassende Kunden, Mangel an Respekt vor unserer Arbeit»

Eine Frau, die am 14. Juni bewusst ihre Arbeit niederlegen wird, ist Sabine Szabo. Seit 1991 ist sie als «Polydesignerin 3D» (Dekorateurin) tätig. In den vergangenen drei Jahrzehnten musste sie immer wieder erleben, wie schwer es ihr und anderen berufstätigen Frauen gemacht wird, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. 1991 hatte sie die Lehre begonnen. Aber schon kurz nach ihrem Lehrabschluss musste sie beruflich zurückstecken – sie bekam Kinder, die sie nach ihrer Scheidung allein grosszog. Was sie bewegt, am 14. Juni zu streiken? «Sorgen vor einer unsicheren Zukunft, Ärger über anmassende und übergriffige Kunden, der allgemeine Mangel an Respekt vor unserer Arbeit.» Das muss sich ändern!

Geschichten wie die von Sabine Szabo kennt die Gewerkschaft Unia zur Genüge. Stefanie von Cranach, Kampagnenleiterin Frauenstreik der Unia Bern sagt dazu: «Nebst den niedrigen Löhnen und den Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren, stören sich die Angestellten an der geringen Anerkennung, die sie für ihre Leistungen erhalten.» Aber auch kurzfristig angesetzte Überstunden oder lange Schichten ohne Pause seien typisch, z.B. im Detailhandel. Deshalb lehnt die Unia Bern den erneuten Vorstoss zur Ausweitung der Ladenöffnungszeiten im Kanton Bern ab: Weitere Arbeitsstunden erschweren es den Frauen abermals, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.

«Vereinbarkeit ist ein schönes Ideal, Unvereinbarkeit die häufigere Realität»

Streiken wird auch Sarah Schilliger, Soziologin und Lehrbeauftragte an der Uni, Mitinitiantin des «Akademischen Manifests für den Frauenstreik». Sie wird heuer nicht zuletzt als Mutter an den Streikaktionen teilnehmen: Denn Sie weiss aus eigener Erfahrung: «Vereinbarkeit ist ein schönes Ideal, Unvereinbarkeit die häufigere Realität. Und: ohne die Joker-Grossmütter, die einspringen, wenn das Kind wegen Grippe nicht in die Kita kann, ginge es noch viel weniger!»

Diese Erfahrungen beobachtet Meret Schindler, zuständig für den Gesundheitsbereich beim VPOD Bern, auch in ihrem Arbeitsalltag: «Bei der Mutterschaft gibt es eine Vermischung von unbezahlter und bezahlter Care-Arbeit, was das breite Spannungsfeld der feministischen Anliegen sehr krass aufzeigt. Es geht um Professionalisierung typischer Frauenberufe und gleichzeitig den Erhalt oder Ausbau der Qualität in der Betreuung.»

Geeint in der Vielfalt

Was die Frauen an der heutigen Medienorientierung eint? Sarah Schilliger bringt es auf den Punkt: «Wir Frauen sind vielfältig, unsere Situation ist sehr unterschiedlich, aber was uns eint, ist die Einsicht, dass in dem, was wir erfahren, ein Muster der Abwertung und der strukturellen Ungleichbehandlung zum Ausdruck kommt.»

Programm: Der 14. Juni in Bern

Das Programm am 14. Juni reicht von betrieblichen Streiks und Streikaktionen bis hin zu Demos und Kundgebungen. Angestellte des Detailhandels werden ebenso wie Angestellte in diversen Spitälern um 11.00 Uhr eine Streikpause machen und am Arbeitsende gemeinsam nach Bern ziehen.

Für Rückfragen:

Leena Schmitter, Mediensprecherin Gewerkschaft Unia, 079 480 13 08, *protected email*

Bilder von der Medienkonferenz