Rückblick: erster Themen-Abend «Streik-Geschichten»

Was können wir vom Frauenstreik 1991 lernen? Was hat sich bewährt? Was sollten wir anders machen? Um diese Fragen dreht sich der Themen-Abend «Streik-Geschichten». Am 14. Februar fand er zum ersten Mal. Im Fokus war das Thema «Gewerkschaften» statt. Hier findet ihr eine Zusammenfassung.

Am 14. Februar fand der erste Themen-Abend «Streik-Geschichten» statt. Zu Gast waren die beiden Gewerkschafterinnen Dore Heim und Regula Keller. Der Austausch war äusserst interessant und wichtig, für den kommenden Streik. Deshalb haben wir für euch die wichtigsten Punkte zusammengefasst: 

Dore Heim hat den Frauenstreik 1991 besonders aus der Perspektive der Journalistinnen und im Kontext der Medien erlebt. Regula Keller war zu dieser Zeit als Lehrerin tätig und hat sich im Rahmen des Frauenstreiks 1991 an den Schulen engagiert.

Wie wurde der Tag gestaltet?

1991 gab es einen Sternenmarsch mit Schülerinnen, Müttern und Lehrerinnen, Männer kochten Streiksuppen und übernahmen das Kinderhüten, Hausfrauen hängten ihre Besen raus, in Spitälern wurden Protestpausen eingelegt und es gab eine Ausstellung zum Streik, bei der Stadträtinnen aus allen Parteien beteiligt waren.

Als Idee für den diesjährigen Streik könnten wir auf öffentlichen Plätzen und in Quartierstrassen Festbänke aufstellen, wo man gemeinsam Sitzen, Essen und Diskutieren kann.

Was hat sich bewährt?

Für eine erfolgreiche Mobilisierung sollten mindestens 3 Frauen pro Institution aktiv sein. Frauen in leitenden Positionen sollten Mitarbeiterinnen mobilisieren. Generell sind Face-to-Face-Mobilisierung besonders wirksam, wir sollten also Frauen* direkt aufsuchen, ansprechen und uns persönlich miteinander vernetzen.

Was sollten wir beachten?

Hinsichtlich unserer Streikthemen sollten wir konkrete Ziele setzen und Forderungen klar und gebündelt formulieren. Der Streik sollte idealerweise gebunden sein an ein Gesetz oder eine Initiative.

Die Streikthemen sollten bereits im Vorfeld des Streiks medial präsent sein. Da die Schweizer Medienlandschaft in den letzten Jahren immer konservativer wurde und nur noch wenige Frauen als Journalistinnen tätig sind, sollten wir insbesondere die sozialen Medien für unsere Anliegen nutzen, v.a. auch am Streik-Tag. Dabei wäre es gut, Veranstaltungen, Aktionen und Ideen in Form von Geschichten und starken Bildern einprägsam zu vermitteln. Für die nötige Breitenwirkung, mit der eine breite weibliche Bevölkerung erreicht wird, sind dennoch die herkömmlichen Medien nötig, da sie nach wie vor zur Meinungsbildung beitragen.

Drohungen durch Arbeitgebende wurden 1991 aufgrund der Reaktionen auf den Streik zurückgezogen. Damit dies wieder geschieht, sollte auch der Frauen*streik 2019 eine derartige Breitenwirkung haben. Gewerkschaften können mit einem offiziellen Brief an Arbeitgebende versuchen, die Arbeitnehmerinnen zu schützen, dies ist aber nicht in allen Bereichen möglich. Wir müssen uns überlegen, wie wir all die Frauen*, die in keinen Gewerkschaften vertreten sind, mobilisiert und trotzdem geschützt werden können.